Warum die ersten Fragen entscheidend für deinen Therapie-Erfolg sind.
Du hast es geschafft! Du warst beim Arzt, hast dein Rezept eingereicht (vielleicht sogar ganz bequem über unseren goDiGA Rezept-Service) und der Brief deiner Krankenkasse mit dem Freischaltcode lag im Briefkasten oder deiner ePA. Du hast die App heruntergeladen oder die Anwendung im Web geöffnet, den Code eingegeben und drückst erwartungsvoll auf „Starten“.
Doch statt direkt mit Übungen oder Videos loszulegen, passiert erst einmal etwas anderes: Die App stellt Fragen. Viele Fragen. Vielleicht fragst du dich in diesem Moment: „Warum will die App das alles wissen? Ich will doch nur meine Rückenschmerzen loswerden oder besser schlafen. Kann ich das nicht überspringen?“
Die kurze Antwort ist: Bitte nicht! Die ausführliche Antwort liest du hier. Denn dieser Schritt – das sogenannte Onboarding oder die Anamnese – ist der Moment, in dem aus einer „dummen“ Software deine ganz persönliche Medizin wird.
In diesem Artikel erklären wir dir, was genau in diesen ersten Minuten passiert, warum die DiGA diese Informationen braucht, um sich auf dich einzustellen, und warum deine ehrlichen Antworten der Schlüssel sind, damit die Therapie wirklich wirkt.
Was ist das “Onboarding” eigentlich?
Stell dir vor, du gehst zum ersten Mal zu einem neuen Facharzt. Du kommst in das Behandlungszimmer, und noch bevor du „Guten Tag“ sagen kannst, drückt dir der Arzt ein Rezept für starke Tabletten in die Hand und schickt dich wieder raus.
Würdest du dich gut behandelt fühlen? Wahrscheinlich nicht. Du würdest erwarten, dass der Arzt erst einmal fragt:
• „Wo tut es weh?“
• „Seit wann haben Sie die Beschwerden?“
• „Nehmen Sie andere Medikamente?“
• „Was ist Ihr Ziel?“
Genau das ist die Anamnese. In der klassischen Medizin ist das das Gespräch, in dem der Arzt deine Krankheitsgeschichte erhebt, um die richtige Therapie für dich zu finden.
Bei einer DiGA (Digitale Gesundheitsanwendung) ist das nicht anders. Eine DiGA ist kein einfaches Lifestyle-Gadget und keine Fitness-App, die für jeden Nutzer gleich funktioniert. Sie ist ein zugelassenes Medizinprodukt,. Das bedeutet, sie funktioniert wie ein Medikament oder eine Therapie – nur eben digital.
Das Onboarding ist also dein digitales Aufnahmegespräch. Da kein Arzt vor dir sitzt, muss die App diese Fragen stellen. Sie muss lernen, wer du bist, wie es dir geht und was du brauchst. Nur so kann die Software im Hintergrund entscheiden, welcher Teil des Programms für dich jetzt gerade der richtige ist.
Warum die DiGA nicht für alle gleich sein darf
Vielleicht denkst du: „Ich habe doch die Diagnose ‘Migräne’ oder ‘Depression’ – reicht das nicht?“
Nein, das reicht nicht. Denn hinter jeder Diagnose steckt ein individueller Mensch mit einer ganz eigenen Geschichte. Das Gesetz und die Zulassungsbehörde (BfArM) schreiben vor, dass eine DiGA individualisierte Rückmeldungen geben muss. Das ist der große Unterschied zu einem Ratgeber-Buch oder einem YouTube-Video.
Hier sind drei Gründe, warum die App deine Daten braucht, um sich individuell auf dich einzustellen:
A. Sicherheit geht vor (Kontraindikationen)
So wie manche Medikamente sich nicht mit anderen vertragen, gibt es auch bei DiGA Situationen, in denen bestimmte Übungen nicht gemacht werden dürfen. Das nennt man Kontraindikationen.
• Beispiel: Eine DiGA für Rückenschmerzen muss wissen, ob du vielleicht gerade eine frische Operation hattest oder eine akute Entzündung hast. Wenn ja, darf sie dir bestimmte sportliche Übungen gar nicht erst anzeigen, weil sie dir schaden könnten.
• Beispiel: Eine DiGA für mentale Gesundheit muss sicherstellen, dass du stabil genug bist, um die Übungen alleine zu Hause zu machen.
Wenn die App am Anfang Fragen zu deiner körperlichen oder seelischen Verfassung stellt, ist das also ein Sicherheits-Check. Sie prüft: „Ist diese Therapie gerade sicher für dich?“.
B. Dein Startpunkt (Die Baseline)
Um dich ans Ziel zu bringen, muss die DiGA wissen, wo du startest. Mediziner nennen das „Baseline-Erhebung“.
• Wie stark sind deine Schmerzen auf einer Skala von 1 bis 10 heute?
• Wie viele Stunden hast du letzte Woche geschlafen?
• Wie hoch ist dein aktueller BMI?
Diese Werte sind extrem wichtig. Warum? Weil eine DiGA meistens für 90 Tage verschrieben wird. Nach diesen drei Monaten möchtest du – und auch dein Arzt – wissen: Hat es etwas gebracht? Das kannst du nur herausfinden, wenn du den Zustand an Tag 1 mit dem Zustand an Tag 90 vergleichen kannst. Die Anamnese am Anfang setzt den ersten Punkt in deinem persönlichen Erfolgs-Diagramm. Ohne diesen Startpunkt gibt es später keine Erfolgskurve im Therapiebericht, den du mit deinem Arzt besprechen kannst.
C. Personalisierung (Der Maßanzug für deine Gesundheit)
Das ist der spannendste Punkt. Moderne DiGA sind schlau. Sie haben riesige Datenbanken mit Wissen, Übungen, Lektionen und Tipps. Aber nicht alles davon ist für dich relevant.
• Wenn du eine DiGA für Diabetes nutzt, aber dich vegetarisch ernährst, brauchst du keine Rezepte für Fleischgerichte.
• Wenn du eine DiGA für Tinnitus nutzt und dein Hauptproblem das Einschlafen ist, sollte die App dir zuerst Entspannungsübungen für den Abend zeigen und nicht Stressmanagement für den Arbeitsplatz.
Die Antworten, die du im Onboarding gibst, füttern den Algorithmus der App. Sie sorgen dafür, dass aus den tausenden Möglichkeiten ein individueller Therapieplan wird, der zu deinem Alltag passt.
Welche Fragen kommen auf dich zu?
Damit du dich nicht wunderst oder überfordert fühlst, hier ein kleiner Überblick, was typischerweise abgefragt wird. Keine Sorge: Du musst kein Medizin-Studium absolviert haben, um das zu beantworten.
1. Die medizinischen “Hard Facts”: Alter, Geschlecht, Größe, Gewicht, bestehende Diagnosen. Manchmal fragt die App auch nach Medikamenten, die du nimmst. Das ist wichtig, um Wechselwirkungen zu prüfen oder deine Werte richtig einzuordnen.
2. Deine aktuelle Belastung (Symptome): Hier werden oft sogenannte validierte Fragebögen genutzt. Das sind wissenschaftlich geprüfte Fragenkataloge, die Ärzte weltweit nutzen. Zum Beispiel: „Wie oft fühlten Sie sich in den letzten zwei Wochen niedergeschlagen?“ Das mag sich manchmal etwas steif oder „klinisch“ anhören, hat aber einen guten Grund: Nur mit diesen standardisierten Fragen kann die App exakt messen, wie stark deine Beschwerden sind, und später beweisen, ob sie sich gebessert haben.
3. Deine Ziele und Wünsche: Was möchtest du erreichen? Willst du Schmerzen lindern? Willst du mehr Wissen über deine Krankheit? Willst du abnehmen? Indem du hier ehrlich antwortest, hilfst du der App, die Prioritäten richtig zu setzen. Wenn dein Ziel „weniger Stress“ ist, sieht dein Wochenplan anders aus, als wenn dein Ziel „mehr Bewegung“ ist.
4. Technische und organisatorische Fragen: Manchmal wirst du gefragt, wann du Zeit für Übungen hast oder ob du Erinnerungen (Push-Nachrichten) erhalten möchtest. Nutze das! Eine DiGA wirkt nur, wenn du sie regelmäßig nutzt (das nennt man Adhärenz). Wenn du der App sagst: „Erinnere mich immer morgens um 8:00 Uhr“, steigt die Chance, dass du dranbleibst, enorm.
Datenschutz: Wer liest da eigentlich mit?
Gerade wenn eine App so intime Fragen stellt – nach deiner psychischen Gesundheit, deinem Gewicht oder deinen Schmerzen –, ist ein ungutes Gefühl normal. „Landet das jetzt bei Facebook? Oder bei meinem Arbeitgeber?“
Hier können wir dich beruhigen. DiGA unterliegen in Deutschland extrem strengen Datenschutzregeln – viel strenger als jede normale Fitness-App aus dem App-Store.
• Deine Daten gehören dir. Sie dürfen nicht für Werbung genutzt werden.
• Server in Europa: Die Datenverarbeitung muss in Europa oder in Ländern mit gleichwertigem Datenschutzniveau stattfinden.
• Keine Weitergabe: Weder wir von goDiGA noch deine Krankenkasse können sehen, was du in der App eingibst (z.B. deine Tagebucheinträge). Diese medizinischen Daten siehst nur du selbst. Du kannst sie später gezielt mit deinem Arzt teilen (z.B. als PDF-Export), aber das entscheidest du aktiv selbst.
Das Onboarding ist also ein geschützter Raum. Du kannst und sollst hier absolut ehrlich sein. Wenn du schummelst oder Dinge beschönigst, kann die App dir nicht richtig helfen – genau wie ein Arzt, den man anlügt.
5. Und wenn das Onboarding vorbei ist?
Sobald du die Fragen beantwortet hast, erstellt die DiGA deinen Plan. Meistens landest du dann auf einer Startseite oder einem „Cockpit“, das dir deine Aufgaben für den heutigen Tag zeigt.
Ab jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Und hier kommt oft die größte Hürde: Der Alltag. Am ersten Tag ist man noch motiviert. Aber nach einer Woche? Wenn der Job stressig ist oder die Kinder krank sind?
Hier kommt unser DiGA Coach ins Spiel. Wir wissen aus Erfahrung, dass viele Patienten nach der Aktivierung (und dem Onboarding) unsicher sind, wie sie die DiGA dauerhaft in ihr Leben integrieren sollen.
• Wie oft muss ich das machen?
• Was mache ich, wenn ich mal drei Tage keine Zeit hatte?
• Wie bereite ich mich auf das nächste Arztgespräch vor?
Der DiGA Coach ist deine menschliche Begleitung zur digitalen App. Während die DiGA sich um deine medizinische Therapie kümmert, kümmern wir uns darum, dass du motiviert bleibst und technische oder organisatorische Hürden überwindest. Wir helfen dir, Routinen aufzubauen, damit aus dem guten Vorsatz eine echte gesundheitliche Verbesserung wird.
Nimm dir Zeit für deinen Start
Wenn du deine DiGA zum ersten Mal öffnest, sieh das Onboarding nicht als lästiges Formular, das man schnell wegklicken muss. Sieh es als das erste ausführliche Gespräch mit einem neuen Therapeuten, der 24 Stunden am Tag für dich da ist.
• Nimm dir 15 bis 20 Minuten Zeit.
• Such dir einen ruhigen Ort.
• Antworte ehrlich und spontan.
Je genauer die App weiß, wo der Schuh drückt, desto besser kann sie dir helfen. Die Technologie ist da, die Kosten sind übernommen – jetzt liegt es an dir, das Werkzeug so scharf wie möglich einzustellen.
Du hast Fragen zum Start oder bist unsicher, was du in der App tun sollst? Der DiGA Coach ist für dich da – kostenlos und persönlich. Wir begleiten dich durch die ersten Wochen bis hin zur Nachsorgekontrolle bei deinem Arzt und helfen dir, dass du den Faden nicht verlierst.




